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Karin Dammers: BLATT-werk


Portraits Kluger Frauen
Eine Ausstellung der Kustodie der Humboldt-Universität zu Berlin
in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst

Ausstellungseröffnung (Lichthof) am Donnerstag, den 3. Mai um 18.00 Uhr

4. Mai bis 2. Juni 2018

Mo.-Sa. 12.00 - 19.00 Uhr

Einladung zum Download
Einladung.pdf

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Ausstellung: Flora + Tech Experimentelles Drucken
in der westlichen Orangerie
des Terrassengartens am Kloster Kamp 2018

Ausstellungseröffnung am Sonntag um 11.00 Uhr
6. Mai - 3. Juni 2018

Di-Sa.    14.00 - 17.00 Uhr
Sonntag 11.00 - 17.00 Uhr

Einladung zum Download
Einladung_Aussen.pdf
Einladung-Innen.pdf

Eröffnungsrede

Eröffnungsrede zur Ausstellung: „Flora +Tech“ Experimentelles Drucken
6.Mai bis 3.Juni 2018

Dr. Carola Muysers, Berlin

Karin Dammers ist bildende Künstlerin, Fotografin und Grafikerin. Seit ihrer Ausbildung im Bereich Grafik und Gestaltung in den 1980er Jahren macht sie Kunst, seit 1987 hat sie sich auf den Druck spezialisiert. Das geschieht nicht im herkömmlichen, grafischen Sinne sondern als rein künstlerisches Verfahren, in dem sie – neben ihrer Fotografie – Bildideen völlig frei und ungebunden entwickeln kann.

Karin Dammers druckt manuell, sie erzeugt jedes Motiv per Hand und erstellt Unikate. Grundlage bildet der Linoldruck. Hier schätzt die Künstlerin nicht nur die Natürlichkeit des Druckstocks. Die Technik des Linoldrucks, so Dammers, bringt Farben, Formen, Spuren und Linien zum Sprechen. Meist kombiniert sie die Linoltechnik mit anderen Druckvorgängen. Dazu nutzt sie ungewöhnliche Materialien: getrocknete Pflanzen, Blätter, Netze aus der Lebensmittelverpackung, Draht oder Metallteilchen.

Auf ihren Grafiken sind Netze ausgeworfen, die sich zu Körpern und Wesen formen. Gräser schlängeln sich, Blätter breiten sich aus. Blumenstiele spannen Bögen, die man auch als Architektur oder Teile von Schaltkreisen ansehen kann. Die Strukturen sind alles mögliche: Landschaften, Amöben, Steine oder fremdartige Maschinen. Dabei drängen sich die Motive nicht auf, nur wer genau hinschaut, blickt wie in die Tiefsee, ins Universum, in Gartenwelten oder in die Schaltzentrale eines Computers hinein. Karin Dammers schafft Welten, die sie beim Druckvorgang ansteuert, aber nicht bis ins Letzte plant. Sie erschaffen sich beim Drucken von selbst.
Die Künstlerin bevorzugt Schwarzweiß, hier und da sind Oxyde und Graphit auf das Papier gestreut, die an den Druckrändern und auf der Fläche goldgelbe bzw. kohlefarbene Flockungen hinterlassen. Auf einigen Drucken fädelt sich eine himmelblaue Netzstruktur in die Komposition ein. Auf anderen Drucken bilden rostrote Flächen das Fundament fantastischer Landschaften.

Das Papier, das die Künstlerin wählt, ist neutral, einfaches reinweißes Zeichenpapier oder Büttenpapier. Auf dem Weiß schweben ihre Motive, das Büttenpapier gibt hingegen Bodenhaftung.
Beim Betrachten der Ausstellung erkennen wir Serien. Folgen, in denen Karin Dammers ähnliche Druckweisen miteinander kombiniert und ganz ähnliche Motive erfunden hat. Daraus erschließt sich eine ganze Welt:
Tauchen und Schweben: Wir tauchen z.B. in Meerestiefen ein und entdecken große Muscheln, die Dammers durch einen zweifachen Linoldruckvorgang hat entstehen lassen. Die feinen weißen Kalknarben auf den Muschelschalen ergeben sich durch den Prägedruck, dort, wo das Papier mit besonderer Kraft auf den Druckstock gepresst wurde. Eingestreutes, loses Graphit sorgt für die schwarzweiße Muschelmaserung. Sparsam gesetzte Linien lassen so etwas wie Luftbläschen oder Algengeäst entstehen.
Ein anderes Blatt zeigt ein amböbenartiges Wesen mit einem filigran gemusterten Panzer. Der Kopf des Geschöpfes ist aus einer weiß gehöhten Fläche gebildet, das uns zugleich eine ungewöhnliche Drucktechnik vor Augen führt. Karin Dammers druckt nämlich von Dunkel nach Hell, wobei zuvor schwarze Bereiche mit einem grau-bläulichen Schimmer versehen werden.
Schon an diesen Beispielen ist zu erkennen, dass die Künstlerin eine ganz eigene Welt kreiiert. Eine Welt, in der die Motive offen und Assoziationen gewünscht sind und in der die Frage: was ist das? mehr als willkommen ist. Die Grafiken von Karin Dammers erlauben das Spiel mit verschiedenen Antworten und das Spiel mit der eigenen Fantasie. Was also können wir weiteres in der Ausstellung entdecken?

Spiegelungen: Da ist feines schwarzes Geäst, eine Gräserlandschaft, bei der Karin Dammers mit dem Spiegelbild einer halben Druckplatte experimentiert hat: die Künstlerin nennt die daraus entstanden Bilder Zwillingsbilder. Eines davon zeigt so etwas wie ein Fluß, an dem Weidenbäume stehen und sich im Wasser spiegeln. Ein anderes zeigt einen Vorhang aus feinstem Wurzelwerk, das einer geheimnisvollen Ordnung zu gehorchen scheint. Ein weiteres zeigt eine dichte filigrane Ornamentik aus Verknotungen und Windungen. Durch den Zwillingsdruck entstehen Kraftfelder mit neuen Mittelpunkten, neuen Ordnungen, neuen Grenzen.
Kunst-Gärten: So geschieht es auch bei verschiedenen querformatigen Arbeiten, in denen Pflanzen, Gräser, Netze und Linolabdrücke zum Einsatz kommen. Rostrote Flächen von einem Linoldruck werden z.B. von feinen Bleistiftlinien wie mit Notizen durchkreuzt. Man denkt vielleicht an ein Notenblatt einer völlig freien Melodie, an eine Landkarte einer erfundenen Landschaft oder an ein Schienenwerk. Auf einem anderen Blatt lässt sich aus den verschiedenen Druckelementen der Architekturplan eines Kunst-Gartens ablesen, wo die Pflanzenstiele und Netze verschiedene Gartenbereiche bilden. Ich sehe z.B. Wege, Steine und eine kleine Schaltzentrale, von der aus der Garten zu bewässern ist. Ist das etwa ein Garten der Zukunft?
Netz-Werke: In anderen Kompositionen mit abgedruckten Pflanzen- und Blütenmotiven stellt Karin Dammers die Netze in den Mittelpunkt. Sie sind Verpackungsmaterial, das sie zum Druckstock umfunktioniert hat. Die beim Druck entstandenen Strukturen ahmen Körper, Pflanzen, architektonische Elemente nach. Als künstliche Note werden sie über das organische Ambiente gedruckt und vernetzen die einzelnen Bestandteile neu. Für bestimmte Serien versieht die Künstlerin den Netzdruck mit den Farben himmelblau oder weiß, um die technische Künstlichkeit hervorzuheben.
Die Netz-Werke, so möchte ich sie nennen, finden sich auch in Arbeiten wieder, auf denen Dammers mit einem Linolstock florale Motive nachgeahmt und damit sozusagen den Spieß umdreht. Hier sind die Netze plan aufgedruckt und bilden Schaltflächen, die das Organische zu beherrschen und steuern scheinen.
Das Netzthema hat die Künstlerin besonders in den Bann gezogen. Sehr vielschichtig und im positiven Sinne verrückt experimentiert sie mit Überlagerungen ihrer Netzwerke, sie vernäht und gürtet diese und sie verdichtet die Netzabdrucke, die sie z.B. auf die Zeichen von mit Linoldruck erzeugten QR Codes ablegt. Der künstlerische Druck greift die Vernetzung des technischen Codes auf und potenziert ihn.
 
Flora + Tech: Poetisch und nachdenklich fängt Karin Dammers die Phänomene von Natur und Technik in ihrer Kunst ein. Ihre Werke reagieren darauf, dass es die Natur ohne die Technik nicht mehr gibt. Mit den originellen Recycling-Druckmethoden, den natürlichen Farben und der haptischen Arbeit auf Papier gibt uns die Künstlerin ein Stück Natur zurück. Eine Natur, die sie für uns erfunden hat.
Danke an Karin Dammers dafür.





Statement:

Menschen lernen von der Natur.
Bei Bäumen fasziniert ihre besondere Biegsamkeit.

bei der Lotosblüte ihre Oberflächeneigenschaften, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Das Verhältnis von Natur und Technik, ist ein grundlegender Gedanke meiner künstlerischen Arbeit.

Gehören sie nicht zusammen?! Tiere und Pflanzen  benutzen verschiedene Techniken zur Nahrungssuche.
Die Evolution braucht Durchrmischung. (Elisabeth Schiemann Botanikerin/ Genetikerin)
Die Grenzen sind fließend. Im Experimentellen Drucken arbeite ich mit Rötel, Bleistift und anderen Materialien.