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Neuer
Berliner Totentanz
Die
Rückwand der Bühne ist mit einer weißen,
durchsichtigen Leinwand abgeteilt, etwa 1,5 m von der
Wand entfernt.
Zu
einem monotonen Tekkno-Motiv deklamiert eine OFF-Stimme
die ersten zwei Strophen des Sonetts "Menschliches
Elende" von Andreas Gryphius.
OFF-STIMME
Was sind wir Menschen
doch? Ein Wohnhaus grimmer Schmerzen,
ein Ball des falschen
Glücks, ein Irrlicht dieser Zeit,
ein Schauplatz herber
Angst, besetzt mit scharfem Leid,
ein bald verschmelzter
Schnee und abgebrannte Kerzen.
Dies Leben fleucht davon
wie ein Geschwätz und Scherzen.
Die vor uns abgelegt des
schwachen Leibes Kleid
und in das Totenbuch der
großen Sterblichkeit
längst eingeschrieben sind, sind uns aus Sinn und
Herzen ...
Von rechts tänzelt ein
Kaffeehausgeiger auf die Bühne und spielt dabei eine Melodie, die
an einen spätmittelalterlichen Totentanz erinnert. Ihm folgen die
fünf Todgeweihten mit langsamen schreitenden Tanzbewegungen und
ziehen dabei zwischen den Projektionswänden hindurch: der
Werbemanager, der Staatspräsident, die Edelhure, die Chefin und
der Junkie. Der Werbemanager sitzt im Rollstuhl. Er trägt einen
extravaganten Designeranzug mit einer auffälligen Krawatte. Er.
Der Präsident geht gekrümmt, in einer blutverschmierten
Gardeuniform, die ein schwarz gerändertes Einschussloch aufweist.
Die Edelhure trägt ein lila-seidenes Abendkleid, eine
hochtoupierte Perücke und viel falschen Schmuck. Die Chefin, in
einem seidenen Morgenmantel, ist kahlköpfig und zieht einen Tropf
in einem Rollgestell neben sich her. Am Morgenmantel trägt sie
einen Orden. Der Junkie ist ein junger Lockenkopf mit fanatischem
Gesichtsausdruck, übergroßen, unnatürlich glänzenden Augen und
grünlicher Gesichtsfarbe.
Jede der fünf Figuren hat ihren
eigenen Tod, der aussieht wie ein halb durchsichtiger Schatten
ihrer selbst. Er wird nur sichtbar, wenn der jeweilige Todgeweihte
vor eine der Projektionsflächen tritt.
Ein hoher, flirrender Ton in der
Geigenmelodie, als der Werbemanager an einer der
Projektionsflächen vorbeirollt. Hinter ihm taucht sein Tod auf
der Projektionsfläche auf, und während die anderen weitertanzen,
wird der Werbemanager in den Dialog mit dem Tod hineingezogen.
DER TOD
Herr Werbechef, wie
lautet das Gebot?
Du hörst schon recht,
heut wirbt um Dich der Tod
Lass stecken Styling-Gel
und Vaselin,
die Anabolika, das
Kokain!
Die seichten Genüsse, an
denen Du klebst,
geben Dir nur den Kick,
solange Du lebst.
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