2. Die Traumfänger
Auf
der mittleren Projektionsfläche der Drache und die Brücke,
bläulich angestrahlt. Die beiden kleineren Projektionsflächen
sind dunkel. Das matte Licht einer Straßenlaterne bescheint die
Parkbank. Es regnet noch immer. Zelda hat sich eine Plastikplane
über den Kopf gezogen und isst eine Currywurst. Sie fröstelt,
erhebt sich und geht auf und ab, um sich zu wärmen. Sie stellt
sich vor den projizierten Drachen.
ZELDA
Hey,
Smokie, kannste nicht mal 'n bisschen Feuer speien. Mir ist kalt.
... Ich hab mal so ein Exemplar wie dir im Märchengarten gesehen,
als ich klein war. Der sagte immer brummt:
"Bitte, Papier .... bitte, Papier ..... Willste was abhaben;
hält
ihm die Wurst hin schmeckt
eklig, wa? .... Bitte, Papier ... wie die Tante auf'm Sozialamt.
Bürokratius, das wär' ein Name für ihn gewesen. lacht,
betrachtet ihn Aber
für dich passt das nicht. Nee .... du bist eher ... preußisch.
Ist ja auch die Moltkebrücke. skandiert
einen Marsch Tata
tata tatatatata, tata tatat tatatatata ... Ich
mach mal ´n Lied für dich, versprochen. Isst
das letzte Stück Wurst auf und wirft das Papier angeekelt weg.
Igitt ... Aber weeste, Smokie, die Zeiten sind hart. Man nimmt,
was man kriegt. ... Ja, die Tante vom Sozialamt ... Das wollt'
ick dir noch erzählen ... Gespielter
Dialog, bei dem Zelda beide Rollen übernimmt, angedeutet durch
die Veränderung von Stimme und Position. Sie sind Sängerin ... Dann
sind Sie doch freiberuflich. ... Ja, und? ... Ich verdiene doch
nicht so viel, dass ich davon leben kann. .... Dann weisen Sie
Ihre Nebeneinkünfte nach! ... Na, mal da, mal dort ... Mit "mal
da, mal dort" kann ich nichts anfangen. Ich brauche Quittungen,
Rechnungen, Verdienstbescheinigung ... Soll ich den Leuten eine
Quittung ausstellen, wenn sie mir was in den Hut werfen? ... Dann
müssen Sie sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen. ... Als
Dichterin? ... Als alles, was man Ihnen anbietet? ... Das heißt,
ich bin offiziell keine Dichterin mehr ... Was Sie in Ihrer
Freizeit machen, interessiert mich nicht. ... Aber ich kann doch
nicht einfach aufhören Dichterin zu sein. Ich bin so geboren ...
Dann weisen Sie Ihre Qualifikation nach, Zeugnisse,
Verlagsverträge, Verlagsabrechnungen - Vielleicht findet sich
dann etwas Passendes für Sie. .... Vielleicht könnten Sie
Nachhilfeunterricht geben oder dergleichen. ....
Nachhilfeunterricht?! .... Sir müssen schon Bereitschaft zeigen,
selbst für Ihren Lebensunterhalt aufzukommen. .... Ich sagte
Ihnen doch ... außerdem sind die Unterlagen bei meinem Mann ...
Bei Ihrem Mann!!! Sie haben einen Mann!? ... Aber ich lebe doch
nicht mit ihm zusammen ... Sie sind also nicht geschieden? Nein?
... Hören Sie ... Ich frage Sie, ob Sie geschieden sind. ...
Nein, aber ... Wenn Sie nicht geschieden sind, muss Ihr Mann für
Ihren Unterhalt aufkommen. ... Ich kann nicht mehr mit ihm
zusammenleben. ... So. Name? Adresse? ... Hören Sie, ich will
nicht, dass er mich findet. .... Adresse des Ehemannes verweigert.
... Außerdem hat er selbst kein Geld ... Weisen Sie das Einkommen
des Ehemannes nach. ... Ich sagte Ihnen doch: Ich - will --- ihn
- nicht sehen!!! ... Wenn Sie so wenig kooperativ sind, kann ich
nichts für Sie tun ... Aber ich brauch' doch nur die 300 Euro
für die Miete. Kapieren Sie doch ... die schmeißen mich raus ...
Weisen Sie das Einkommen ... Ach, steck dir dein Geld ..., blöde
Schnepfe! Türknallen. Tja,
Smokie, was machen wir nun? ... Am besten, wir gehen schlafen.
Während
sie ihren Schlafsack auf der Bank ausbreitet und hineinkriecht
Vielleicht will ja morgen einer meine Musik hören. Sie
kuschelt sich in den Schlafsack und schläft ein.
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